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Flugsportclub Ikarus Abtenau


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Flugsportclub Ikarus Abtenau
40 Jahre zurück und doch 15 Minuten voraus !

Flugurlaub in Rumänien, das Erlebnis der etwas anderen Art.




Nach diversen Clubwochen in Spanien, Slowenien, Arcachon und was halt sonst noch das Paragleiterherz begeistert, galt es diesmal das fliegerisch bei uns noch wenig bekannte Rumänien zu erforschen. Eine Suche im Internet brachte überraschend viele Treffer, hauptsächlich über einen Fliegerclub mit Stammsitz am Flughafen in Cluj, (dem ehemaligen Klausenburg). Auf eine Anfrage per e-mail meldeten sich bis zum nächsten Tag ganze 28 hilfsbereite Fliegerkollegen, die bereit waren, uns eine Woche lang zu betreuen und uns in die besten Fluggebiete zu bringen. Schließlich entschieden wir uns für den “Guide” Puiu und wählten für erste die Westkarpaten aus, genauer gesagt den kleinen 600 Einwohner zählenden Ort Remetea zwischen Cluj und Alba Iulia (ehemals Karlsburg) gelegen.

Die Anreise:
Während eine Gruppe mit dem Bus relativ problemlos anreiste (Wien-Budapest-Oradea-Cluj) und das Visum rasch an der Grenze erhielt, geriet die zweite Gruppe in der Eisenbahn gleich zu Beginn in die Mühlen der rumänischen Bürokratie. Nachdem das reservierte Abteil im Zug einfach nicht da war sondern sogar ein ganzer Waggon fehlte, gab es im Ersatzzug keine Visastelle und in weiterer Folge schien es schier unmöglich zu sein, die zu bezahlende Visagebühr von S 600.-an der richtigen Stelle einzuzahlen. Zwei halbe Tage dauerte es, bis das vorsortierte Geld, für jede Person extra der entsprechende Betrag in rumänischen LEI, selbstverständlich mit je einer Wechselbestätigung, am richtigen Schalter eingezahlt werden konnte. Seit kurzem verzichtet der rumänische Staat gottlob auf diese Visagebühren.

Remetea – das Dorf:
Von der unendlich ermüdenden Bürokratie abgesehen, erwies sich das Urlaubsziel aber als durchaus interessant. Das kleine Dorf Remetea hatte zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie durch den Eisenerzabbau seine Blütezeit. Ein großzügiger Dorfplatz, eingesäumt von einer Häuserreihe mit schmucken Stukkaturfassaden und ein Bergbaumuseum erinnern noch heute, nachdem der Bergbau längst eingestellt wurde, an die vergangenen Glanzzeiten. Heute leben die Leute in Remetea fast nur von dem, was die kleinen Felder in der Umgebung hergeben. Da spielt sich das gemeinsame Leben von Mensch und Tier auf der lehmigen Dorfstraße ab, die zugleich Weg, Geflügelhof, Ziegenweide, Waschplatz und weiß sonst noch was ist. Das häufigste Transportmittel ist nach wie vor das Esel-. Pferde- oder Kuhfuhrwerk, und der Hirte, der jeden Morgen die Ziegen und Kühe einsammelt und auf die Weide treibt, hat eine der verantwortungsreichsten Aufgaben. Besonders beeindruckend das Ritual, wenn er abends die Tiere zurückbringt, und jede Kuh ganz von selbst den Weg zu ihrer Hoftür findet
und dort stehenbleibt und wartet, bis ihr aufgemacht wird.


Ganze zwei Gewerbebetriebe gab es zu bestaunen: Ein Sägewerk mit drei Arbeitern, wo ein Elektromotor zwei Sägeblätter antreibt, die in gut einer Stunde ganze zwei Bretter von dem mit Handkraft angeschobenen Baumstamm abschneiden. Dazu eine Tischlerei, wo sich einige Mitarbeiter bezeichnenderweise auf die “Produktion” von Särgen spezialisiert haben. Um mindestens 40 Jahre zurückversetzt erscheint der ganze Ort, ja wenn nicht ausgerechnet die Turmuhr zum Ausgleich um ganze 15 Minuten voraus wäre.

Kaum angekommen, geht´s ab zum Fliegen:
Das Dorf liegt in einem breiten Nord-Süd ausgerichtetem Tal. Im Westen lud uns ein in der prallen Vormittagssonne liegender, teils bewaldeter, Bergrücken ein während im Osten der felsige Gipfel für uns Flieger aus den Alpen eine große Anziehungskraft ausstrahlte. Zudem war schon vom Dorf aus ein befahrbarer Fuhrweg bis knapp unterhalb der Felsabbrüche zu erkennen. Als wir noch am Beraten waren, starteten doch plötzlich am Gipfelhang im Osten zwei Schirme. Also nichts wie ins Auto und über den Fuhrweg durch die den Berg umgebenden Ziegenweiden bis an den Fuß des Felsen gefahren. Als wir das Auto stehen lassen mussten, landeten die beiden Flieger direkt bei uns. Sie waren auch keine Einheimischen sondern rumänische Flieger aus dem 4 Autostunden entfernten Oradea. Sie waren sofort bereit mit uns noch einmal den Fußmarsch auf den Gipfel anzutreten und nach gut einer halben Stunde schweißtreibender Kletterei über einen steilen Steig erreichten wir den Gipfel. Eine sanft geneigte Wiese so groß wie mehrere Fußballfelder versprach einiges.
Am Fuß des Szekelykö

Während wir unsere Schirme auspackten, drehte der Wind doch tatsächlich etwas und kam immer häufiger von schräg hinten. Da die Sonne auch noch nicht von vorne in den Berg schien, warteten wir vorerst etwas ab und legten uns gemütlich in die Sonne. Da legten am Gipfel auf der gegenüberliegenden Talseite tatsächlich zwei Piloten ihre Schirme aus und nach wenigen Minuten waren sie schon in der Luft. Anfänglich ging´s noch ein wenig hin und her, aber bald begannen sie zu kurbeln und schraubten sich über den Startplatz hinauf.
Als bei uns nach einer Stunde der Wind noch kaum besser war, flogen die beiden auf der anderen Seite bereits einige hundert Meter über dem Gipfel den Bergkamm in alle Richtungen ab und ganz egal was sie taten, es ging überall nach oben mit ihnen. Nun doch etwas unruhig geworden, hielt es uns kaum mehr und als die ersten zögerlichen Ablösen bei uns hochgekrochen kamen, warfen wir uns hinaus in die uns unbekannte rumänische Thermik.
Vielleicht ein wenig zu früh, wie wir feststellten: nicht dass wir gleich abgesoffen wären, nein vorne an der Kante ging es schon nach oben. Nur mit dem Zentrieren dieser engen Bärte hatte man seine liebe Not und der Wurf aus dem Bart fiel meist recht unsanft aus. Respektvoll suchten wir ruhigere Verhältnisse und waren auch bald abgesoffen. Für unsere Seite des Tales war es einfach noch zu früh. Erst im Lauf der Woche lernten wir diese Seite noch so richtig schätzen, wenn wir in der Nachmittagssonne am Hangfuß starteten und zum Gipfel hochkurbelten. Für heute stand erst mal fest, am nächsten Tag geht es jedenfalls auf die andere Seite! Nun mussten wir uns aber auf die Suche nach unserem “Guide” und nach einem Quartier machen.

Unterkunft - ja, Verpflegung herzlich und familiär:
Obwohl die Hilfe von unserem “Guide” Puiu erst für den nächsten Tag bestellt war, fanden wir rasch eine passende Unterkunft. In vielen Privathäusern werden Zimmer angeboten und für unsere Gruppe bekamen wir zwei leerstehende Häuser direkt am Ortsplatz. Der Standard ist natürlich nach rumänischen Gesichtspunkten zu messen. Dusche einmal im Haus, Warmwasser überwiegend (wenn die Leitung nicht zusammenbricht), WC entweder “Plumpsklo” im Innenhof oder in besonders guten Häusern eine wassergespülte Muschel, Möbel von den ehemaligen Bewohnern und zum Teil auch noch mit deren Kleidern und Hausrat angefüllt. Der fehlende Komfort wird aber durch die herzliche Bewirtung und die familiäre Betreuung mehr als aufgehoben. Für Halbpension mit Frühstückstisch und ausgezeichnetem Abendessen zahlten wir an die 100.- ATS.

Einige Bars gibt es auch, das Bier - übrigens österreichisches Bier in Lizenz hergestellt - kostet etwa 5.- ATS Als am Wochenende die einheimischen Flieger aus Cluj kamen, trafen wir uns alle in Forras Pub bei Szabi und die für uns günstigen Preise trugen zum völker-verbindenden Fliegerplausch nicht unwesentlich bei.

Die heimischen Flieger, eine verschworene Gemeinschaft:
In Remetea selbst gibt es keinen einzigen Flieger, die Einheimischen kommen zum Wochenende oder wenn sie halt sonst Zeit haben aus Cluj angereist. Fliegen ist für sie ein sehr teurer Sport, wenn man bedenkt, dass die Monatsgehälter so zwischen 1.000 und 2.500.- ATS liegen. Das Material haben sie größtenteils gebraucht aus Westeuropa und ziemlich ausgebleichte Hochleister tauchen hier wieder auf. Zu ihren fliegerischen Erfahrungen würden gute Intermediates passen, aber die sind meist im Westen auch noch verkäuflich. Was ihnen an moderner Ausrüstung fehlt, bringen sie aber durch sicherheitsbewußtes Fliegen und mit dieser Kameradschaft, wie wir sie aus den Anfangsjahren kennen, mehr als wieder herein. Übrigens kommen viele aus den besser situierten Kreisen und sprechen ausnahmslos recht gut Englisch.

Das Fluggebiet, Start- und Landeplätze wachsen zusammen:
Mit Puiu lernten wir die Gegend zwischen Cluj und Alba Iulia einigermaßen kennen. Da nur der flache Talboden bewirtschaftet wird, sind die Möglichkeiten zum Starten und Landen auf den Berghängen unbegrenzt. Je nach Bedingungen konnten wir auch am Bergfuß starten und am Gipfel zwischenlanden oder mit dem Auto eine der wenigen Straßen bis auf 1.000 m hinauffahren, um vom Gipfel zu fliegen. Erlaubt ist, was gefällt und man sollte damit wirklich keinen Mißbrauch machen, um dieses Stück Freiheit den Fliegern zu erhalten. Besonders empfehlenswerte Startplätze sind der “Ordaskö” (Wolfsstein) in Startrichtung O – S und der Szekelykö (S – W) in Remetea , die Gegend um Rimeti (Zufahrt mit dem Auto möglich) aber
auch die Hügel westlich von Alba Iulia.


Kontakte:
Über e-mail mit Puiu Chiselita: puiu@internet.ro
oder Matei Campan: matei_campan@yahoo.com

Koordinaten:
Remetea, Kirche: N 4627´10.1” E 02334´02.1”
Szekelykö: N 4627´12.4” E 02335´09.2”
Rimeti: N 4619´31.7” E 02331´38.5”







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